Manrae - Pacata HIbernia 7”

1 day ago on July 24, 2014 at 12:02pm

Total Control - Flesh War

Die Rebellion des Menschen endet als metaphysische Revolution. Ihr Weg führt vom Scheinen zum Handeln, vom Dandy zum Revolutionär. Ist der Thron Gottes einmal umgestürzt, erkennt der Aufrührer, dass es nun an ihm ist, jede Gerechtigkeit, jede Ordnung und Einheit, die er vergeblich auf seiner Lebensstufe gesucht hat, mit eigenen Händen zu erschaffen und damit die Absetzung Gottes zu rechtfertigen. Dann wird eine verzweifelte Anstrengung beginnen, falls nötig um den Preis des Verbrechens, das Reich des Menschen zu gründen. Das wird nicht ohne schreckliche Folgen geschehen, deren wir erst einige kennen. Aber diese Folgen sind keineswegs der Revolte zuzuschreiben, oder sie treten wenigstens nur in dem Masse an den Tag, wie der Revoltierende seine Ursprünge vergisst, der harten Spannung zwischen Ja und Nein müde wird und sich schliesslich der Verneining von allem oder der völligen Unterwerfung überlässt.

Albert Camus, Der Mensch in der Revolte. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 29. Auflage Oktober 2013, S. 45f.

Zunächst jedoch sehen wir hier den ersten Fortschritt, den der Geist der Revolte auf ein Denken ausübt, das anfänglich von der Absurdheit und der scheinbaren Sterilität der Welt durchdrungen war. In der Erfahrung des Absurden ist das Leid individuell. Von der Bewegung der Revolte ausgehend, wird ihm bewusst, kollektiver Natur zu sein; es ist das Abenteuer aller. Der erste Fortschritt eines von der Befremdung befallenen Geistes ist demnach, zu erkennen, dass er diese Befremdung mit allen Menschen teilt und dass die menschliche Realität in ihrer Ganzheit an dieser Distanz zu sich selbst und zur Welt leidet. Das Übel, welches ein Einzelner erlitt, wird zur kollektiven Pest. In unserer täglichen Erfahrung spielt die Revolte die gleiche Rolle wie das ‘Cogito’ auf dem Gebiet des Denkens: Sie ist die erste Selbstverständlichkeit. Aber dieser Selbstverständlichkeit entreisst den Einzelnen seiner Einsamkeit. Sie ist ein Gemeindplatz, die den ersten Wert auf allen Menschen gründet. Ich empöre mich, also sind wir.

Albert Camus, Der Mensch in der Revolte. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 29. Auflage Oktober 2013, S. 38f.

Das Absurde in sich selbst ist Widerspruch. Es ist ein Widerspruch seinem Inhalt nach, denn es schliesst die Werturteile aus und will dennoch das Leben aufrechterhalten, wo doch Leben an sich schon ein Werturteil ist. Atmen heisst urteilen.

Albert Camus, Der Mensch in der Revolte. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 29. Auflage Oktober 2013, S. 19.

Wenn man dem Selbstmord seine Gründe abspricht, ist es gleicherweise unmöglich, dem Mord solche zuzusprechen. Es gibt keine halben Nihilisten. Die absurde Überlegung kann nicht das Leben dessen bewahren, der spricht, und zugleich die Opferung der anderen dulden. Vom Augenblick an, da man die Unmöglichkeit der absoluten Verneinung anerkennt, und Leben auf irgendeine Weise kommt dieser Anerkennung gleich, ist das Erste, was sich nicht leugnen lässt, das Leben des andern. So raubt der gleiche Begriff, der uns glauben liess, der Mord sei gleichgültig, ihm seine Rechtfertigung; wir fallen in die Illegitimität zurück, aus der wir uns zu befreien suchten.

Albert Camus, Der Mensch in der Revolte. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 29. Auflage Oktober 2013, S. 19.

Unter diesem Vorbehalt kann ein Zusammenschluss wünschenswert erscheinen. Aber zu diesem Zweck wäre es notwendig, dass die linksstehenden Intellektuellen, die sich so viele Bären aufbinden liessen und Gefahr laufen, sich weitere aufbinden zu lassen, zuerst einmal die Überlegungen und Ideologien, zu denen sie sich bisher bekannten und deren Verheerungen sie in der jüngsten Geschichte feststellen können, einer kritischen Prüfung unterzögen. Das wird das Schwerste sein. Der Konformismus findet sich heutzutage bei der Linken, das lässt sich nun einmal nicht abstreiten. Es stimmt, dass die Rechte nicht eben ein leuchtendes Vorbild gibt. Aber die Linke ist ausgesprochen dekadent, gefangen in Worten, nur noch stereotyper Antworten fähig, sie klebt auf der Leimrute der Formeln und versagt unablässig angesichts der Wahrheit, von der sie doch ihre Gesetze herzuleiten behauptet. Die Linke ist schizophren und muss Heilung suchen - in unerbitterlicher Kritik, Übung des Herzens, Festigkeit der Überlegung, und auch in ein wenig Bescheidenheit. Solange diese Revisionsarbeit nicht auf breiter Basis begonnen hat, ist jeder Zusammenschluss zwecklos und sogar schädlich.

Albert Camus, Ungarn: Der Sozialismus der Galgen. Interview, Demain, 21. Februar 1957. Veröffentlicht in: Fragen der Zeit, Rowohlt Taschenbuch Verlag

garbagecats:

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(via himono-onna)

Ein langer Weg liegt vor uns. Und doch, wenn der Krieg nicht alles in seine grässliche Verwirrung stürzt, werden wir Zeit haben, der Gerechtigkeit und der Freiheit, deren wir bedürfen, endlich Gestalt zu verleihen. Aber zu diesem Zweck müssen wir in Zukunft eindeutig, ohne Erbitterung, aber unnachgiebig, die Lügen von uns weisen, mit denen wir gefüttert werden. […] Dessen wenigstens sind wir von nun an völlig gewiss, so wie wir auch gewiss sind, dass die Freiheit kein Geschenk ist, das man von einem Staat oder von einem Führer empfängt, sondern ein Gut, das Tag um Tag erkämpft sein will, durch das Bemühen jedes einzelnen, durch die Einheit aller.

Albert Camus,Brot und FreiheitAnsprache vom 10. Mai 1953 an der Arbeitsbörse von St-Etienne. Veröffentlicht in: Fragen der Zeit, Rowohlt Taschenbuch Verlag
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